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    Bierbaum-Proenen - seit 1788

    Deutschlands 46. ältestes Familienunternehmen

Bierbaum-Proenen (BP) zählt zu den 50 ältesten Familienunternehmen Deutschlands

Bierbaum Proenen Buch aufgeschlagen.

Das 1788 gegründete Kölner Familienunternehmen BP - Bierbaum-Proenen bietet faire Berufsbekleidung für jede Arbeitssituation und jede Körperform. Das Qualitätsversprechen ist die Basis der langen Unternehmensgeschichte. 

Ganz gleich, ob es Beschäftigte in der Industrie, in der Energieversorgung, im Handwerk, in der Pflege, im Medizinbereich, in der Gastronomie oder in der Lebensmittelindustrie sind: Sie alle vertrauen auf Schutz- und Berufsbekleidung von Bierbaum-Proenen. „Unser Anspruch ist es, für jede Arbeitssituation und jede Körperform die passende Kleidung zu bieten“, sagt Carla Cacitti, die bei BP die Produktentwicklung leitet. Die Produkte des Traditionsunternehmens zeichnen sich durch ihr Design, durch Langlebigkeit, Funktionalität, einen sehr hohen Tragekomfort und eine sozial und ökologisch verträgliche Herstellung aus. Dieses Qualitätsversprechen spiegelt sich im BP-Claim wider: Feel the difference. 

Die lange Unternehmensgeschichte von Bierbaum-Proenen begann 1788 mit einem Versprechen: Nur beste Qualität sollte über den Ladentisch der Leinenhandlung gehen. Daran erinnerte der Gründer Johann Baptist Bierbaum seine Mitarbeitenden immer wieder. „Mein Haus sei Euch Garantie“, so umwarb Bierbaum seine Kundschaft. Und das junge Unternehmen musste die ganze Flexibilität eines Start-Ups zeigen, um die ersten Jahrzehnte zu bestehen: In den unruhigen Jahren des frühen 19. Jahrhunderts wurde zwischenzeitlich auch Wein verkauft, um sich den wechselnden Rahmenbedingungen anzupassen.

Hersteller von Arbeitskleidung in siebter Generation

Geschäftsführer von Bierbaum Proenen: Harald Goost.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert begann man in Köln nach und nach mit der Herstellung von Berufsbekleidung. 1914 besuchte Franz Proenen, der Urenkel des Gründers, die Ford-Werke in Detroit. Er war fasziniert von der Fließbandfertigung. Und er brachte eine neue Idee mit nach Deutschland: Berufsbekleidung von BP sollte am Fließband hergestellt werden. Durch die serielle Fertigung konnte nicht nur die Qualität enorm gesteigert werden, auch die Kosten sanken erheblich. Bierbaum-Proenen erlebte enorme Wachstumsschübe. 

Heute führt der geschäftsführende Gesellschafter Harald Goost (Bild links) das Familienunternehmen in siebter Generation. „Wir konnten nur deswegen so lange am Markt bestehen, weil wir über den Tag hinausdenken und ökonomisch nachhaltig handeln“, sagt Harald Goost. Vor diesem Hintergrund war es folgerichtig, dass Bierbaum-Proenen seinem Qualitätsversprechen 2010 ein weiteres Versprechen hinzufügte: „Wir möchten das nachhaltigste Workwear-Unternehmen werden.“

Mehr Informationen zu, Thema Nachhaltigkeit bei BP.

Faire Arbeitskleidung - BP® & Fair Wear

Männer in einer Näherei am arbeiten.

Längst wurde BP-Kleidung damals schon in Nordafrika, Osteuropa und Asien hergestellt. Das Bewusstsein der Kölner für faire Arbeitsbedingungen war demnach ausgeprägt. Doch 2010 beschloss das Unternehmen einen Schritt weiter zu gehen. BP wurde – als erster deutscher Hersteller von Berufsbekleidung – Mitglied der Fair Wear Foundation (FWF). Die unabhängige Multi-Stakeholder-Initiative setzt sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der internationalen Bekleidungsindustrie ein. Ihre Standards gelten als die höchsten in der Branche. Nach und nach wurden alle Produktionsstätten von BP auditiert.

Mit Blick auf die klimatischen Herausforderungen möchte BP bis 2030 den CO²-Fußabdruck für alle Produkte berechnen, Einsparungspotentiale ermitteln und umsetzen sowie nicht vermeidbare Emissionen in Klimaschutzprojekten kompensieren. Aktuell geht BP mit der ersten Generation Circular Poloshirts erste Schritte in Richtung Kreislaufwirtschaft. Die Shirts bestehen zu zehn Prozent aus wiederverwendeten Materialien aus Produktionsabfällen, die Knöpfe sind aus wiederverwerteter Baumwolle und die Garne aus recyceltem Polyester gefertigt. Damit sind die Circular Shirts ein Bekenntnis zur Kreislaufwirtschaft und tragen zur Abfallreduzierung bei.

Nachhaltige Arbeitskleidung - Qualität und Haltbarkeit als größter Beitrag

Zwei Männer und eine Frau tragen BP® Arbeitskleidung in einer Halle.

Der größte Beitrag, den das Traditionsunternehmen zur Nachhaltigkeit beiträgt, ist die Qualität und Haltbarkeit der Produkte. BP hat den Anspruch, die langlebigste Berufsbekleidung am Markt herzustellen. So müssen sich die Kunden nicht jedes Jahr neue Produkte kaufen. Dadurch werden viele wertvolle Ressourcen eingespart. Dieser Anspruch bezieht sich nicht nur auf Stoffe, Garne und Materialien, sondern reicht viel weiter: zum Beispiel bis hin zur Reduzierung des Energieverbrauchs und der C02-Emissionen. 

Neben dem Qualitätsversprechen und der nachhaltigen Herstellung der Produkte ist die industrielle Waschbarkeit der Kleidung ein Schlüsselargument für BP. Die allermeisten BP-Produkte eignen sich für die Industriewäsche. Das ist sehr wichtig, weil viele Unternehmen – ob in der Altenpflege und im Krankenhaus oder bei vielen Handwerkern, Stadtwerken, Energieversorgern oder Industrieunternehmen – ihre Kleidung professionell und hygienisch wiederaufbereiten lassen. Produkte von BP überzeugen hier mit einer sehr langen Haltbarkeit.

Mehr Informationen zu BP® Arbeitskleidung.

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Bierbaum-Proenen - Familienunternehmen mit über 230 Jahren Tradition

Alte Karikatur der historischen BP® Firmenzentrale von 1788.

1788 bis 1831

Gründung und Herausforderungen der ersten Jahrzehnte

1788 eröffnet Johann Baptist Bierbaum in der Kölner Mühlengasse einen Leinenhandel, der den Grundstein für das heutige Unternehmen Bierbaum-Proenen legt.
Köln hat damals ca. 30.000 Einwohner und bietet aufgrund der strikten Zunftpolitik kaum Freiräume für den jungen Unternehmer. Johann Baptist Bierbaum, im Jahr der Gründung 29 Jahre alt und Schreinergeselle, ist nicht bereit, den engen Rahmen, den seine Zunft ihm steckt, zu akzeptieren. 

Er überwindet alle Hindernisse, die ihm zur Gründung eines Unternehmens im Wege stehen, und erlangt durch seine Beharrlichkeit schließlich am 27. August 1793 die große Bürgerschaft der Reichsstadt Köln, die für ihn als Kaufmann von großer Bedeutung ist, denn sie berechtigt ihn, neben Leinen auch gewalkte Wollstoffe und Seide zu verkaufen.

Die Steuerung des jungen Unternehmens durch die Wirren der napoleonischen Kriege, die wirtschaftliche Abschnürung des Rheinlandes sowie die Kontinentalsperre fordern ihm viel Geschick und Flexibilität ab. So nimmt Johann Baptist Bierbaum vorübergehend auch Wein mit in das Liefersortiment auf, um Ausfälle im Leinenhandel zu kompensieren. Ab 1815 entwickelt sich das Unternehmen sprunghaft. Die hohe Güte der Waren wird zum Erfolgsgarant für das junge, aufstrebende Unternehmen.
Bild von Johann Baptist Bierbaum und Franz Arnold Proenen.

1832 bis 1873

Fusion und Entstehung des Markennamens BP
1832 übergibt Johann Baptist Bierbaum das Unternehmen an seinen Schwiegersohn Franz Arnold Proenen, der sich vom kleinen Gesellen zum Baumwollhändler mit eigener Färberei und Druckerei hochgearbeitet hat. Mit der Vereinigung beider Unternehmen verschmelzen auch die beiden Familiennamen. Die Firma nennt sich nun Bierbaum-Proenen. Aus dieser langen Unternehmensbezeichnung entwickelt sich der Markenname BP, der sich als einprägsames Gütezeichen für die hohe Qualität der Produkte durchsetzt.

Die bisher nur als Handelshaus geführte Firma wird nun umstrukturiert und baulich erweitert, so dass zusätzlich zum reinen Warenhandel auch selbst Gewebe aus Leinen und Baumwolle hergestellt werden können. Das Unternehmen beschäftigt hierzu mehrere hundert Handweber. Daneben entstehen die Produktionsbereiche Färberei und Druckerei, in denen BP die Gewebe nun auch selbst färben und bedrucken kann.

Die Firma expandiert und durch den Kauf eines Nebengebäudes kann das Geschäftshaus in der Kölner Mühlengasse erweitert werden.

Altes Firmengebäude von BP®.

1874 bis 1901

Jahre als Großhändler
1874 übergibt Franz Arnold Proenen das gut gehende Unternehmen an seinen jüngsten Sohn, Chrysanth Josef Proenen, sowie seinen Schwiegersohn, Johann Baptist Schmitz. Das Unternehmen entwickelt sich mehr und mehr zum Großhandel. 1889 werden die alten Firmengebäude an gleicher Stelle durch einen zweckmäßigeren Neubau ersetzt.
Alte Produktionsstätte von BP®.

1902 bis 1929

Massenproduktion und Markenpolitik
1902 wird die bisher nur in bescheidenem Umfang durchgeführte Herstellung von Wäsche und praktischer Alltagsbekleidung erweitert. Dieser Schritt markiert den entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte des Unternehmens, denn von nun an wandelt sich das Unternehmen allmählich von einem Großhandel zu einer Produktionsfirma mit Serienfertigung von Wäsche und Arbeitskleidung.

1904/1905 beginnen die Arbeiten für die Errichtung des Firmenneubaus in der Kölner Domstraße. Endlich gibt es ausreichend Platz für die industrielle Produktion eines wachsenden Sortiments an Arbeitskleidungsartikeln.

Im April 1914 reist Franz Proenen, der Vertreter der vierten Inhaber-Generation, in die USA und besichtigt dort u. a. die Ford-Werke in Detroit. Die Fließbandproduktion beeindruckt ihn über alle Maßen, vor allem „wie russische Arbeitskräfte innerhalb von sechs Stunden erfolgreich in den Arbeitsprozess eingereiht wurden“, wie er in seinen Lebenserinnerungen schreibt. Und so steht sein Entschluss schnell fest: BP Arbeitskleidung soll am Fließband gefertigt werden.

Allerdings wirft der Erste Weltkrieg das aufstrebende Unternehmen zeitlich zurück und mit der Einführung der Fließbandarbeit kann erst 1929 begonnen werden. Voraussetzung hierfür ist die Straffung des gesamten Sortiments, d. h. Konzentration auf möglichst wenige Artikel, die in großen Stückzahlen und hoher Qualität durch angelernte Arbeitskräfte gefertigt werden. Die Fließbandfertigung wirkt sich doppelt positiv aus: Die Kosten sinken und die Produktqualität kann gesteigert werden.
Altes Logo von BP®.

1930 bis 1952

Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus und Wiederaufbau
Die von Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus und Wiederaufbau geprägten Jahre erstrecken sich etwa über ein Zehntel der Unternehmensgeschichte. Es ist eine Zeit voller historischer Umbrüche und Schwankungen: Durch einen Innovationsschub in der Weltwirtschaftskrise kann das Unternehmen bis 1938 außerordentlich stark expandieren und beschäftigt in Spitzenzeiten über 1.000 Mitarbeiter, dann folgt der tiefe Absturz und die fast vollständige Zerstörung des Unternehmens im Zweiten Weltkrieg, mit Jahren der Ungewissheit und einem mühsamen Neubeginn.

Vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse dieser Epoche stellt sich die Frage, in welchem Maße sich Unternehmensleitung und Firma in das System des Nationalsozialismus verstrickt haben. Für die heutige Geschäftsführung, die das Familienunternehmen Bierbaum-Proenen in der siebten Generation führt, ist es ein wichtiges Anliegen, zur Beantwortung dieser Frage beizutragen.

Deshalb hat sie den Historiker Dr. Helmut Vogt beauftragt, diesen Zeitraum der Unternehmensgeschichte wissenschaftlich aufzuarbeiten. Entstanden ist hieraus die Publikation „Bierbaum-Proenen 1929 – 1952. Ein Titel_BuchFamilienunternehmen während Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus und Wiederaufbau“, die im Kölner J.P. Bachem Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich ist (ISBN 978-3-7616-2606-1). Eine Zusammenfassung des Buchs ist hier als PDF abrufbar.

Die Bierbaum-Proenen GmbH & Co. KG hat das Buch finanziert, auf den Inhalt haben aber weder das Unternehmen noch die Inhaber Einfluss genommen.

Das vollständige Interview mit Harald Goost

"Roboter tragen keine Berufsbekleidung"

Der Kölner Berufsbekleidungshersteller BP - Bierbaum-Proenen wurde in die Liste der 50 ältesten Familienunternehmen Deutschlands aufgenommen. Geschäftsführer Harald Goost leitet das 1788 gegründete und in siebter Generation inhabergeführte Unternehmen. Im Interview spricht er darüber, wie Berufsbekleidung den Alltag von Millionen Menschen prägt, was die mutigste Entscheidung in der Unternehmensgeschichte war und warum Entwicklungen wie KI, Robotik oder der Klimawandel das Geschäftsmodell nachhaltig verändern könnten.

BP entwickelt und produziert Berufsbekleidung. Die spielt zwar im Alltag von Millionen Menschen eine zentrale Rolle, dennoch steht die Branche selten im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Warum ist das so?

Berufsbekleidung hat sicherlich nicht den Glamour der Modebranche und das Abenteuerimage, das man lange mit der Outdoorbranche verband. Dennoch hat die Branche in den vergangenen 20 Jahren eine bedeutende Aufwertung erfahren. Bei Berufsbekleidung wird heute nicht nur die funktionale, sondern auch die emotionale Komponente gesehen. Das Produkt gilt als authentisch und ehrlich. Gerade deshalb spricht es viele Menschen emotional an. Diese Entwicklung gefällt mir natürlich.

Welchen Einfluss hat die Berufsbekleidung auf den Arbeitsalltag der Trägerinnen und Träger?

In vielen Fällen ist Berufsbekleidung unabdingbar, vor allem wenn es um Persönliche Schutzausrüstung geht, sprich: um den Schutz von Gesundheit und Leben. Sie entscheidet zugleich darüber, wie konzentriert, effizient und mit welchem Wohlbefinden Menschen arbeiten können. Eine Pflegekraft braucht volle Bewegungsfreiheit, genauso wie ein Beschäftigter in der Industrie eine Arbeitsjacke benötigt, die bei jeder Bewegung Bauch und Rücken bedeckt hält. Die emotionale Komponente wird mir immer deutlich, wenn man die Trägerinnen und Träger in ihrem Alltag zu ihrer Berufsbekleidung befragt, sei es die Ärztin, der Koch oder die Menschen im Gleisbau. Ich mache das gerne und häufig. Die Geschichten sprudeln nur so aus den Menschen heraus, sie kennen ihre Bekleidung im Detail. Wir nutzen solche Gespräche intensiv, um die Berufsbekleidungslösungen von morgen zu entwickeln.

BP ist in die Liste der 50 ältesten Familienunternehmen Deutschlands aufgenommen worden. Was bedeutet die Aufnahme für Sie persönlich und für die BP-Familie?

Das freut uns sehr. Wir sind stolz, zu diesem Kreis gehören zu dürfen.

Alte Familienunternehmen haben eine besondere Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland: Sie denken in Generationen, investieren langfristig, bewahren Wissen und schaffen verlässliche Arbeits- und Ausbildungsplätze. Aber wir wissen auch: Der Blick darf nur kurz im Rückspiegel verweilen, er gehört immer nach vorne. In die Zukunft. Denn Tradition hat erst dann einen Wert, wenn aus ihr Zukunft entsteht.

Sie führen BP inhabergeführt in siebter Generation: Was heißt es für Sie, ein Familienunternehmen zu sein?

Die Frage wird Familienunternehmern oft gestellt. Die Antworten sind sehr ähnlich, finde ich. Und meine Gedanken zu dieser Frage fallen ebenfalls nicht aus dem Rahmen:

Als Familienunternehmer möchte ich in Generationen denken. Ich möchte verlässlich und planbar agieren. Familienunternehmen zu sein heißt für mich, Verantwortung für etwas zu tragen, das lange vor mir begonnen hat und weit über meine eigene Zeit hinausreichen soll. BP wurde von sechs Generationen vor mir geprägt. Meine Aufgabe ist es, das Unternehmen so weiterzuentwickeln, dass auch die nächste Generation darin eine echte Zukunftsperspektive sieht. Familienunternehmer sein heißt für mich auch, nah am Menschen zu sein - im Umgang und in den Entscheidungen. Und Glaubwürdigkeit ist wichtig. Das Wort muss ein hohes Gewicht haben.

Vor Ihrer Zeit bei BP haben Sie Berufserfahrungen in sehr unterschiedlichen Unternehmen gemacht: vom Start-up bis zum traditionsreichen Familienunternehmen. Wie haben diese Erfahrungen Ihre Arbeit bei BP beeinflusst?

Am stärksten geprägt hat mich die Zeit im Start-up. Es war meine erste Berufserfahrung, ich war noch sehr jung, und ich habe eine enorme Dynamik erlebt: schnelle Entscheidungen, viel Eigenverantwortung und den Mut, Dinge einfach auszuprobieren. Diese Haltung wollte ich später bewusst bei BP einbringen. Eine ebenso wichtige Erfahrung war meine anschließende Zeit in einem patriarchalisch geführten Familienunternehmen in Barcelona. Dort waren Disziplin und Gehorsam die bestimmenden Führungsprinzipien. Der Kontrast zum Start-up hätte kaum größer sein können. Mir wurde dadurch sehr deutlich, wie ich selbst arbeiten und führen möchte: mit Vertrauen, Eigenverantwortung und dem Freiraum, Dinge mitzugestalten. Mit der Zeit habe ich verstanden, dass ein traditionsreiches Familienunternehmen einen anderen Rhythmus hat als ein Start-up. Es geht weniger um den schnellen Erfolg als darum, Verantwortung über Generationen hinweg zu übernehmen.

Was können Familienunternehmen von Start-ups lernen? Und umgekehrt?

Start-ups können Familienunternehmen inspirieren, mutiger und agiler zu sein. Familienunternehmen wiederum zeigen, wie man Wandel langfristig und nachhaltig gestaltet. Ich versuche, das Beste aus beiden Welten miteinander zu verbinden.

Welche Werte sind über die gesamte Unternehmensgeschichte hinweg unverändert geblieben und was musste sich immer wieder verändern?

Das Qualitätsversprechen zieht sich wie ein roter Faden durch die Unternehmensgeschichte. Es ist bis heute ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmens-DNA. Und wir sind dem Produkt im Großen und Ganzen treu geblieben. Es ging immer um Textilien und Bekleidung. Aber darüber hinaus hat sich im Laufe der Zeit alles immer wieder verändert. Und es kann auch gar nicht anders sein, wenn man in den unterschiedlichen Epochen die richtigen Antworten für die Märkte seiner Zeit geben möchte. Deswegen ist Anpassungsfähigkeit von herausragender Bedeutung. Jede neue Zeit braucht auch neue Antworten. Denn mit der Welt von gestern lässt sich die Zukunft nicht gewinnen.

Welches war rückblickend die mutigste unternehmerische Entscheidung in der Geschichte von BP und warum?

Im Jahr 1914 ist mein Urgroßvater Franz Proenen in die USA gereist, um sich die Fließbandfertigung in den Ford-Werken in Detroit anzuschauen. BP beschäftigte damals bereits mehr als 1.000 Menschen, gleichzeitig holten Heimarbeiterinnen zugeschnittene Stoffe noch mit Kinderwagen oder Fahrrädern bei uns in der Kölner Domstraße ab. In diese Arbeitswelt brachte mein Urgroßvater die Idee, das Prinzip der Fließbandfertigung aus der Automobilindustrie auf die Bekleidung zu übertragen. 1934 kamen bereits 90 Prozent des Umsatzes aus der eigenen Fertigung. So wurde aus einer Beobachtung eine Idee, die BP ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnete.

Welche Themen treiben Sie als Unternehmen aktuell besonders um?

Transformation ist ein großes Thema bei uns. Digitalisierung und KI sind große Themenfelder, die viele Chancen bieten und bei BP enorme Ressourcen binden. KI gestaltet unseren Arbeitsalltag und unsere Prozesse bereits jetzt effizienter und produktiver. Dadurch gewinnen unsere Mitarbeitenden mehr Zeit für Aufgaben, bei denen der persönliche Kontakt und die individuelle Beratung entscheidend sind. Zugleich fragen wir uns natürlich auch, wie eine zunehmende Robotisierung unsere Märkte verändern wird. Um die Gefährdung von Mitarbeitenden deutlich zu reduzieren, werden zukünftig Roboter, wann immer möglich, in Gefahrenbereichen eingesetzt. Sie werden auch in der Pflege und in Küchen zum Einsatz kommen. Wir müssen also damit rechnen, dass sich unser Markt grundlegend verändert. Roboter tragen keine Berufsbekleidung.

Wir beschäftigen uns intensiv und permanent mit solchen Zukunftsszenarien. Es ist wichtig, Entwicklungen proaktiv anzugehen und rechtzeitig Antworten zu finden.

Wie wird sich die Berufsbekleidungsbranche in den kommenden zehn Jahren verändern?

Ich möchte zwei Aspekte herausgreifen, die uns besonders interessieren: Da ist zunächst die Komponente der Sicherheit. Das Sicherheitsbedürfnis steigt an. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass die Menschen Persönliche Schutzausrüstung heute auch in Einsatzbereichen tragen, in denen in der Vergangenheit einfache Arbeitskleidung ausreichend war. In diesem Markt werden wir zukünftig viele neue interessante Lösungen sehen. Diese Entwicklung bietet viele neue Chancen. Der zweite Punkt sind die immer heißer werdenden Sommer. Es ist für alle Menschen eine hohe Beanspruchung, damit umzugehen. Aber besonders intensiv ist die Belastung bei körperlich arbeitenden Menschen, vor allem, wenn sie draußen arbeiten. Denken wir nur an die Menschen im Straßen- und Gleisbau. Hier müssen neue, noch leichtere Bekleidungslösungen gefunden werden. Auch auf diesem Feld bieten sich viele neue Möglichkeiten.

Was wünschen Sie sich, dass die Menschen über BP sagen, wenn das Unternehmen sein 250-jähriges Jubiläum feiert?

Es würde mich freuen, wenn die Menschen auch 2038 sagen: BP hat Verantwortung übernommen, Wandel gestaltet und dabei seine Werte nie aus den Augen verloren.

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